ruhr3de Gewaltiges Bauvorhaben soll nicht nur den Tourismus fördern

Dr. Wolfgang Beckröge ist Leiter des Referats für Geoinformationen und Raumbeobachtung beim Regionalverband Ruhr. Er betreut das Projekt RUHR3.de. Orange hat mit ihm über den Nutzen einer eigenen 3D-Plattform für das Ruhrgebiet gesprochen.

 

ORANGE: Die Kooperation „3D-Ruhrgebiet“, was genau ist das?

Beckröge: Das ist ein Zusammenschluss der elf kreisfreien Städte, der vier Kreise, des RVR und des ehemaligen Landesvermessungsamtes, heute geobasis.NRW, der für das Ruhrgebiet eine einheitliche Geodatenstruktur für den 3-dimensionalen Gebäudebestand aufbaut. In allen Fällen sind es die Vermessungs- und Katasterämter der Kooperationspartner, die diese Initiative tragen.

Orange: Woher stammen die nötigen Daten?

Beckröge: Zum einen aus den Grundlagenerhebungen des Landes zu Fragestellungen der Lärmminderungspläne, zum anderen aus den Liegenschaftsdaten der Kommunen und Kreise. Eine Reihe von Städten hat darüber hinaus bereits eigene 3-DGebäudebestände aufgebaut beziehungsweise ist dabei für Teilbereiche 3-D-Gebäude zu erstellen.

Orange: Welche Aufbauten sollen künftig zu sehen sein?

Beckröge: Das richtet sich nach der Fragestellung. Für Zwecke der Außendarstellung einer Stadt kann es gewollt sein, das gesamte Stadtgebiet mit allen Bauwerken virtuell als 3-DModell zur Verfügung zu stellen. Für Fragen der Lärm- oder Schadstoffausbreitung reichen einfache Gebäudemodelle ohne Dachformen und ohne Details der Fassaden aus. Bei Fragen zum Stadtbild werden möglichst fotorealistische Gebäude benötigt.

Orange: Welche Vorteile bieten die Modelle von viality gegenüber Gebäudemodellen wie man sie zum Beispiel aus Second Life oder aus Computerspielen kennt?

Beckröge: Die durch Herrn Rall erstellten Modelle nutzen den Standard CityGML, das heißt sie sind in dem für die ruhr3.de Kooperation verbindlichen Format erstellt. Dieses Format ist international anerkannt und kann daher auf verschiedenen Plattformen genutzt werden. Computerspiele oder Second Life setzen auf eigene Formate, durch die eine Durchlässigkeit in verschiedene Anwendungen erschwert oder unmöglich wird. Außerdem hat vilaity ein Verfahren entwickelt, durch das die Gebäude Speicherplatzoptimiert realistisch dargestellt werden. Das erlaubt eine schnelle Visualisierung der Gebäude und damit geringe Wartezeiten für den Nutzer.

Orange: Die Städte und Kommunen betreiben ja ziemlichen Aufwand, ziehen sie denn abgesehen vom Punkt Marketing weiteren praktischen Nutzen aus diesem Projekt?

Beckröge: Die Vorteile liegen auf verschiedenen Gebieten, zum Beispiel bei Planungsprozessen, beim Katastrophenschutz und bei der Simulation von Umweltdaten. Auf die Lärmminderung habe ich bereits hingewiesen, Luftschadstoffausbreitung oder Solarenergie sind weitere Bereiche, in denen das Projekt Vorteile schaffen kann. Ein Ziel der Kooperation ruhr3.de ist es, im Ruhrgebiet durch die Standardisierung der 3-D-Daten eine Plattform zur Entwicklung verschiedenster Anwendungen bereit zu stellen und damit auf der einen Seite die einzelnen Kooperationspartner zu entlasten, auf der anderen Seite Entwicklern die Möglichkeit zu geben, ihre Anwendungen an realen Stadtlandschaften auszutesten.

Orange: Wie weit soll das Projekt bis zum Start ins Kulturhauptstadtjahr vorangeschritten sein?

Beckröge: Bis zum Start der Kulturhauptstadt sollen größere Areale in den Städten des RVR mit Bezug zur Kulturhauptstadt als 3-D-Ensemble erstellt und visualisierbar sein. Später sollen dann möglichst große Bereiche des Ruhrgebiets als 3-D-Modell angeboten werden. Derzeit werden die Möglichkeiten vor allem durch die Netzbandbreiten und die Darstellungsmöglichkeiten der nutzbaren Internet-Browser beschränkt.

 

Geoinformationen

Der Begriff Geoinformationen bezeichnet sämtliche Informationen mit räumlichem Bezug. Wo ist der günstigste Standort für einen Funkmast? Wie gelangt die Feuerwehr am schnellsten zum Einsatzort? Wo entstehen immer wieder Staus? Geoinformationen liefern Antworten auf solche Fragen und sind Grundlage für viele Bereiche des staatlichen Handelns wie Raum- und Stadtplanung, Verkehrslenkung, Umwelt-, Natur- und Katastrophenschutz. Geoinformationen sind aber auch für die Wirtschaft unabdingbar. Um die Verfügbarkeit von Geoinformationen zu verbessern arbeiten Bund, Länder und Kommunen seit 2003 am Aufbau der Geodateninfrastruktur Deutschland (GDI-DE). Daten, die bisher bei einzelnen Institutionen vorliegen, sollen fachübergreifend zugänglich werden. Grundlage für den Zugang ist seit Februar dieses Jahres das sogenannte Geodatenzugangsgesetz.

 

Kontakt: Dr. WolfgangDr. Wolfgang Beckröge Beckröge

Referatsleiter

Referat Geoinformation und Raumbeobachtung Regionalverband Ruhr

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